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“RETURN-TO-PLAY” Konzept des DHB

(nhv/ME) Passend zur Bund-Länder Konferenz am heutigen Tage veröffentlicht der DHB sein Konzept “Return-To-Play” um angelehnt an die “10 Leitplanken” des DOSB im Rahmen des Slogans “WIR_IHR_ALLE” ein Positionspapier für die Wiederaufnahme des Handballsports zu präsentieren.

Zuviele Slogans? – ja… Deshalb hier zum Inhalt:

Es geht um einen hochambitionierten 8 Stufenplan, der im Bezug auf Terminierung der einzelnen Lockerungen der Rahmenbedingungen schlichtweg an der derzeitigen Lage vorbei geplant scheint.

  • STUFE 1: Autonomes Training (Athletik- und/oder Techniktraining mit Trainingsempfehlungen/aktueller Stand)
  • STUFE 2: Individuelles Training (Athletik- und/oder Techniktraining mit Partner*in oder Anleitung durch Trainer*in)
  • STUFE 3: Kleingruppentraining outdoor (handballspezifisches Training ohne Zweikämpfe) 07.05.2020
  • STUFE 4: Kleingruppentraining indoor (handballspezifisches Training ohne Zweikämpfe) 18.05.2020
  • STUFE 5: Mannschaftstraining (handballspezifisches Training ohne Zweikämpfe) 01.06.2020
  • STUFE 6: Mannschaftstraining + (handballspezifisches Training mit Zweikämpfen) 01.07.2020
  • STUFE 7: Testspiel- und Wettkampfbetrieb (ohne Publikum) 01.08.2020
  • STUFE 8: Wettkampfbetrieb + (Spielbetrieb mit Publikum) 01.09.2020

Zwar findet sich in den Veröffentlichungen des DOSB keine spezifische Berücksichtigung des Handballsports (Stand heute 30.04. hier) der DHB bezieht sich aber zumindest was den Termin der Stufe 3 angeht (Kleingruppentraining outdoor 07.05.2020) auf eine Terminplanung des DOSB…

Alle folgenden Termine des DHB-Programms erscheinen unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen des “shut-downs” und der Schwierigkeiten von der Politik angemessene Ausstiegsszenarien zu entwerfen mehr als ambitioniert – man könnte sagen fabuliert.

Die Realisierung hängt natürlich an der Hallenzugänglichkeit und den Maßnahmekatalogen der Landkreise, Kreise und Kommunen. Insofern ist die große Streuung von Unwägbarkeiten sicher keine Grundlage eine derartig straffe Agenda vorzulegen. Damit ist die Praxistauglichkeit doch sehr eingeschränkt.

Leider entstehen diese “Planungen” weitestgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt, und wie in diesem Falle ist die Fertigstellung sozusagen auf der letzten Rille erfolgt. Man mag sich nur schwer vorstellen, wie die Thesen des DHB durch den DOSB in der heutigen Videokonferenz der Länderchefs mit der Bundesregierung auch nur annähernd eine Rolle spielen könnten.

Es geht im Moment für den gesamten Handballsport darum, eine realisierbare Umsetzung für die Ausübung des Sports unter Berücksichtigung von erforderlichen Schutzmaßnahmen zu finden. Dies ist ohne enge Einbindung der verantwortlichen Behörden, Verbände und Ämter lokal vor Ort nicht möglich. Daher erscheint dieses Papier in der vorliegenden Version zwar nett gestaltet aber letztlich wertlos.

In den letzten Wochen habe ich keine Evaluierung und keine Diskussionsebene wahrgenommen, die die Vereine mitgenommen und die Stimmung vor Ort seismografisch aufgenommen hätte. Vielmehr tauchen hier und dort Entwürfe einzelner Verbände auf, die als Arbeitspapiere deklariert oder gar mit Sperrvermerk versehen sind.

Meines Erachtens brauchen wir eine breit aufgestellte Diskussion unter den Vereinen unter der Leitung der Verbände/Kreise und Einbeziehung der Landessportbünde. Wir, die Vereine, stehen im engen Kontakt mit Aktiven und Ämtern und können sicher wichtige Aspekte und Realisierungschancen resümieren, die dann in die Planungen als Basiswissen eingepflegt und verarbeitet werden können.

Es ist nicht mehr zeitgemäß von oben herab zu steuern und quasi “par ordre du mufti” aus einer realitätsfernen und selbstreferenzierten Sicht die Geschicke und das Image zu bestimmen. Wir müssen die Strukturen und Probleme auch so abbilden, wie sie sich darstellen – individuelle, regionale und föderalistische Probleme müssen von den Verbänden proaktiv in den DHB vorgetragen werden.

Dazu bedarf es seitens der Landesverbände und Kreise einer aktiven Zuwendung zu den einzelnen Vereinen und die Schaffung einer transparenten Struktur um diese existenziellen Probleme für unseren Sport von der Basis aufwärts und nicht umgekehrt zu lösen.

Starke aktive Verbandsarbeit würde auch die Aktivität der Vereine fördern und den Aktiven und Freunden des Handballsports in dieser entbehrungsreichen Zeit Halt geben. Das ist mehr als ein Powerpoint taugliches PDF oder eine Aneinanderreihung von neudeutsch “Wordings” oder “Claims”.

Ich wünsche mir eine aktive und auch kontrovers geführte Debatte um die maximal möglichen Einflüsse zu berücksichtigen. Nur so können wir trotz Corona und fallender Tendenz von aktiven Handballern in Deutschland für unseren Sport neue Wege und Begeisterung finden.

Hier geht es zur Veröffentlichung des DHB “Return-To-Play” und hier gibt es das Dokument als Download.

Martin Eggert
Vorstand Neusser Handballverein e.V.

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